IMG_8807.JPG

München, 28.07.2018

Architekturtag 2018 – Kulturforum München

„Neue Wege im Wohnungsbau – von der Grundstücksvergabe über die Finanzierung bis zur Gestaltung“.

Gemeinsam mit Christian Ude und Martin Klamt diskutierten wir über mögliche Stadtentwicklungspläne für die Landeshauptstadt München. Die Stadtverwaltung rechnet für München bis 2035 mit einem Bevölkerungsanstieg auf 1,85 Millionen Einwohner. Dies entspricht aus heutiger Sicht einem Bevölkerungszuwachs von +19%. München fehlen heute schon 900 Hektar Fläche für den Wohnungsbau. Eine flexiblere Bauordnung, die eine Umwandlung von noch bestehenden Gewerbeflächen oder Firmengeländen ermöglicht, könnte Raum für neue Wohnquartiere schaffen. Auch ein höheres Baurecht würde zu einer dynamischeren Innenstadt führen. Ein Beispiel für die Realisierung solcher Ideen ist das Firmengelände der Meiller Kipper in München-Moosach. Das Unternehmen hat seinen Verwaltungsstandort in Moosach verkleinert und auf der freigewordenen Fläche von 64.000 Quadratmetern 17 Gebäude entwickelt, in denen 700 Wohnungen geschaffen wurden. Anfang 2019 sollen die ersten Mieter das Quartier beziehen, in dem neben Wohnungen auch Hotellerie, Kindertagesstätten und Gewerbeflächen entstehen.

Wir verfügen speziell in München, wo gerne und viel nicht vorhandene Bauflächen beklagt werden, über ein Potenzial, das im Stadtgebiet noch zu wenig ausgeschöpft ist. Ghettoisierung, Monokultur oder die Verödung der neuen Quartiere können durch eine gezielte Durchmischung des urbanen Raumes erreicht werden. Eine Heterogenität innerhalb der Stadtteile ist wichtig, um deren Lebendigkeit und die damit verbundene Attraktivität zu bewahren. Kaum etwas ist kontraproduktiver, als ein neues Quartier zu bauen, das zum bloßen Durchgangsort wird: Einem Ort, der nicht zum Verweilen einlädt, keine Cafés und wenig öffentliche Angebote bereithält. Durchgangsorte sind Nicht-Orte, wie der französische Anthropologe Marc Augé diese diagnostizierte, nämlich Orte, die keine eigene Identität entwickeln können oder keine eigene Kultur haben. Der Raum der Nicht-Orte schafft Einsamkeit. Die Entwicklung in solchen Stadtgebieten kommt zum Erliegen. Deshalb sollten wir darauf achten, keine Schlafquartiere zu schaffen wie in Rom oder Paris, sondern den Städtebau als ein glückbergendes Soziotop begreifen und daraufhin die Ausschreibungen konzipieren.